5.1 Ein Blog in fünf Schritten (Daniela Riedel, Rafael Wawer)

Ein Politiker, der für das Bürgermeisteramt kandidiert, entschließt sich kurzerhand, zusätzlich zu der eigentlichen Kampagne ein Blog zu initiieren. Er will damit seinen Konkurrenten etwas Überraschendes entgegen setzen und andere Wählerstimmen erreichen. Die Umsetzung ist leicht. Es sind nur fünf Schritte nötig.

Schritt 1: Ziel und Konzept des öffentlichen Blogs definieren

Nach kurzer Beratung wird dem Kandidaten klar, dass öffentliche Blogs auch Politik sind. Wer A sagt, muss auch B sagen. Jedes Wort ist politisch und kann durch einen findigen Journalisten nach Jahren zitiert werden.

Die Frage lautet daher zunächst, wie und warum der Kandidat persönliche Einblicke gewähren und welche Inhalte er einstellen will. Hier kann man sich an dem Vorstandsvorsitzenden der Software-Firma Sun orientieren: blogs.sun.com/jonathan. Seit Jahren führt Jonathan Schwartz einen Corporate Blog und verleiht dem Unternehmen durch seine persönliche Schreibe ein Gesicht.

Schritt 2: Schreibstil anpassen und Redakteur bestimmen

Emily Gould, eine sehr erfolgreiche Bloggerin der New York Times, äußerte kürzlich, dass das Private den Leser dazu animiert, die Person zu verstehen oder sich mit ihren Ansichten eingehend auseinanderzusetzen. Dem­gegen­über provoziert das Unpersönliche schnell Anfeindungen.

Dadurch gewinnt der Autor an privater Authentizität, die in der Regel zu einer höheren Anerkennung führt als verbrauchte Reden und „Politiker­sprech”.

Schritt 3: Für ein Blogsystem und dessen Community entscheiden

Nachdem der Kandidat ein Konzept ausgearbeitet hat, entschließt er sich für die Blog-Community blogger.com .

Blog-Communities: wordpress.com, blogger.com, livejournal.com, blog.de, twoday.net; Blog-Software: wordpress.org, textpattern.com

Schritt 4: Blog einrichten

Um die Community nutzen zu können, benötigt man ein Mail-Konto. Gehen wir daher einmal die Schritte durch, die für einen eigenen Blog notwendig sind, und kehren dann zu unserem Kandidaten zurück.

  • Nun rufen wir blogger.com auf und informieren uns ggf. unter „Was ist ein Blog?”.
  • Oben rechts tragen wir, sofern nicht bereits angemeldet, das neue Mail-Konto zur Authentifizierung ein. Nach der Anmeldung folgen wir dem Link: „Blog jetzt erstellen”.
  • In „1. Angaben speichern” wählen wir einen Blog-Anzeigenamen unseres Nutzers, der zu unserem Profil passt. Sagen wir: „Orator”.
  • In „2. Benennen Sie Ihr Blog” wählen wir „Testblog” für die Adresse „testblog.blogspot.com”. Blogger warnt uns, dass „testblog.blogspot. com” belegt ist, deshalb wählen wir „orator-testblog.blogspot.com” und drücken „Weiter”.
  • In „3. Wählen Sie eine Vorlage” (Layout), entscheiden wir uns für ein klas­sisches Layout in Grün.
  • „Ihr Blog wurde erstellt!” und ist unter der Adresse „orator-testblog. blogspot.com” über die Adressleiste des Browsers erreichbar. Damit ist bereits nach wenigen Minuten ein leerer Blog angelegt.

Schritt 5: Inhalte einstellen

Anders als Zeitungen sind Blogs kostenlos abrufbar. Ob ein Text lesenswert ist, entscheidet sich binnen sekundenkurzer Klicks. Kommen wir also zu den Inhalten. Wenn wir unter blogger.com angemeldet sind, rufen wir die neue Adresse „orator-testblog.blogspot.com” nun testweise auf.

Oben im Fenster erscheint eine Liste an Funktionen. Darunter befindet sich der Knopf „Neuer Post”, den wir hochgespannt drücken.

Ein Beitrag (Post) kann jetzt geschrieben werden. Wir kopieren zwei Texte von Marc Aurel, und drücken jeweils „Post veröffentlichen”. Zwei Ein­träge wurden angelegt.

Das war’s!

Die Seite hat Inhalte und kann von überall aus der Welt eingesehen sowie von Suchmaschinen gefunden werden. Sie kostet den Autor nichts.

Nach einer Woche des Testens, des Vertrautmachens mit Bloggersprech und der Community beschließt unser Kandidat schließlich eine echte de-Domain bei Blogger.com zu schalten. Damit ist sein Blog nicht unter der Subdomain-Adresse „orator-testblog.blogspot.com” aufrufbar, sondern unter, sagen wir, „meforbuergermeister.de”. Hierzu folgt man den Anweisungen unter „Einstellungen” in „Veröffentlichung” und „Kostenloser Hosting-Ser­vice von Blogger”.

Nach ein paar Tagen finden die Crawler einer Suchmaschine den Blog. Wer danach den Namen des Kandidaten bei einer Abfrage verwendet, ge­langt, je nach Popularität des Blogs, und mit jedem Aufruf öfter, auf den offiziellen Blog unseres Kandidaten.

Blogs erfreuen sich ihrer Beliebtheit, da sie sehr schnell, kostenlos und ohne technische Kenntnisse erstellt werden können. Steht die Umgebung einmal zur Verfügung, ist es nun am Kandidaten, das Blog mit lebendigen Inhalten zu füllen, die interessant und lesbar sind. Denn ein Blog ist schneller weggeklickt als eine altehrwürdige Zeitung. Emily Gould nennt ihr Blog zum Beispiel „Emily Magazine“. Damit stellt sie sich in den Mittelpunkt ihrer Beiträge. Ein Blog kann wie eine Online-Zeitung des Kandidaten geführt werden. Welche Möglichkeiten der Kandidat letztlich mit seiner „Diskursmaschine” verwirklicht, liegt in seinen Händen.

Während eines Interviews erwähnt unser Kandidat, dass er, um der Bürger und Leser willen, einen persönlichen öffentlichen Blog gründete, der wie eine private Kolumne konzipiert ist. Binnen weniger Tage besuchen mehr als zehntausend Menschen seinen Blog, und der Feuilleton, der bloggende Politiker nicht gewohnt ist, sorgt für die journalistische Resonanz.

Ob die Publicity dem Politiker nützt, und ob er sie zu seinen Gunsten einsetzt, hängt nun ab von seinem Geschick – sowohl verbal als auch schriftlich. Fakt ist jedoch, dass er einen direkten Kanal zur Öffentlichkeit gefunden hat.

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